zurück zur Hauptseite cdm-project
Literatur

die Sage von Draconar

die Sage von Draconar

- ein Sciencefiction von Rainer Kempas -
© onlineSoft '98-20011     eMail: webmaster
Literatur
die Sage von Draconar



Draconars Geburt

D rachen wird es nicht mehr geben. Nicht noch einmal und auch nicht in der Vorstellung, wie es hätte besser sein können. Außer diesen Büchern existiert nichts, das an die einstige Welt erinnert. Noch bleibt ein Hinweis, was aus ihnen geworden ist oder wo sie geblieben sind. Selbst der Autor dieser Schriften darf nicht mehr preisgeben, als dass sie sich nun in einem anderen Universum befinden und ihre Körperlichkeit von uns nicht bemerkt werden kann.
Wenn neue Welten erschaffen und wieder vergangen sind, dann wird Draconar nur noch eine Erinnerung sein am Rande einer fernen, endlichen Galaxie. Und aus der Vergangenheit seiner Sterne scheinen. Nichts wird bleiben, als der Funken, den es einstmals erzeugte. Und der nun durch die Zeit reist von einem Universum zum anderen. Und fern seines Ursprungs wird auch er verglühen, weil hier die Zeit und alles endet, bar jedes Gedankens und vergessen in der Anstrengung der Dinge, sich wieder zu sammeln und neu zu formen.
Denn niemand wird sich der Lichter, zu denen auch Draconar einst zählte, mehr bewusst sein. Außer den Schatten ihrer Vergänglichkeit wird nichts bleiben. Weil auch sie irgendwann verschwinden wie all die anderen, die noch folgen. So wird es immer neue Formen der Materie geben, einzigartiges Leben und anderes, das sich dem unabänderlichen Tod entgegenwirft. Doch nie die Form eines perfekten Daseins erreichen, wie sie einmal auf Draconar entstanden war. Denn selbst die Unsterblichkeit ist nur ein unzulänglicher Versuch, sich der Ewigkeit zu entziehen. Bisher hat es kein Geschöpf gegeben, das alle Mechanismen des Überlebens vereinen und sich gegen den endgültigen Verfall wappnen konnte. Das sich jeder Art von Zerstörung und Veränderung behauptete über die Myriaden von Jahren, die jeder Kosmos währt. Und das nicht nur seinem eigenen Tod entgegengetreten war, sondern auch dem der Zeit, des Raumes und des gesamten Universums.
Am Ende all dessen, wenn die riesige Anhäufung von Materie zusammenbricht, lösen sich auch die Schatten der Erinnerung endgültig auf. Die Bah-nen der Sterne werden instabil, denn diese sind zu weit gefächert, als dass die Kräfte der kleinsten Elementarteilchen sie noch zusammenhalten könnten. Alles gerinnt zu einem Brei ohne Masse, unförmig und wirkungslos. Keinem Gesetz zugehörig, das es binden und mit Energie füllen kann. Denn alles endet in einem Nichts, ohne Licht, Zeit und Materie. Bis sich alles irgendwann wieder findet, besinnt und zusammenzieht, vereint in einem einzigen, winzigen Kern. Und mit gebündelten Kräften die Saat eines weiteren Urknalls formt.
Um ein neues Universum zu schaffen.
Doch dann ist Draconar längst vergessen. Aufgelöst in den Abgründen der Vergangenheit. Nur die Schatten der Sternenhaufen werden erneut erwa-chen und die Galaxien einer nächsten Ära erwecken. Und nichts mehr wird da sein, das an die damalige hohe Zeit erinnert. Denn sie ist nun der Mut-terkuchen einer neuen Dimension.
So groß die Bedeutung einer jeden Existenz gewesen sein mag, so schnell verblasst sie doch angesichts der Zeit, die sich um sie türmt. Dennoch müssen Draco und seine Gestirne, die sich einst wie ein Drache über den nördlichen Sternenhimmel zogen, so lange wie möglich in Erinnerung bleiben. Denn in diesem Universum war es eine der Galaxien, die am längsten lebte. Und inmitten ihres Leibes lag der Planet, der sich in der Evolution Dracos am meisten hervortat, der beinahe das Alter seiner Sonne erreichte: Es war Draconar im Sonnensystem von Thuban, dem einstigen Polarstern der nördlichen Hemisphäre. Er wurde vielleicht 11 Milliarden Jahre alt, fast so alt wie seine ehrwürdige Sonne, bis er gemeinsam mit ihr verglühte. Und selbst das ist nur vermutet, da diese Ereignisse aus meiner Sicht schon zulange zurück liegen.
Das eigentlich Herausragende an diesem Sternensystem war, dass in ihm ein Lebewesen zu entstehen vermochte, das es am Ende geschafft hatte, vollkommen zu werden. Über seine Unsterblichkeit hinaus stand es kurz davor, die Geschicke des Weltalls selbst zu regulieren. So dass das Universum zu seiner Zeit vielleicht nie hätte untergehen müssen. Wenn es geblieben wäre. Und sich die Zeit für einen Neuanfang genommen hätte. Zum Nutzen und Erhalt von Draconar und seinen Drachen. Doch irgendwann war es verschwunden. Und mit ihm die Drachen und ihr Planet.
Denn Unsterblichkeit bedeutet immer auch Stillstand. Stagnation und Unveränderlichkeit aber begrenzen das Leben in seiner Vielfalt. Es hört auf, sich weiterzuentwickeln. Entweder zu etwas Besserem oder in Richtung seines Untergangs. Die Evolution aber ist bestrebt, diesen Zustand zu verändern, bevor alles wie in einer Momentaufnahme eingefroren ist.
Deshalb haben die ehemaligen Drachen dieses Universum verlassen. Damit wird Draconar und Thuban letztendlich nur zu einem Wimpernschlag in der Geschichte des Weltalls. Vor ihnen hatte es in diesem Universum bereits mehrere kleinere Sternensysteme gegeben, deren Ursprung direkt aus dem Urknall stammte. Sie waren aber nur kurzlebig und ihr Wasserstoffvorrat nach 2 Milliarden Jahren aufgebraucht. Im Grunde genommen waren sie Protosterne und nie zu einer Sonne herangewachsen. So dehnten sie sich in ihrem Tod nur mäßig aus und verglühten eher im Inneren, als dass sie explodierten. Letztlich waren ihre Reste zu winzigen Zwergen zusammengeschrumpft und drehten sich sehr schnell um sich selbst.
Andere aber begannen vor 10 Milliarden Jahren zu kollabieren und katapultierten die Masse ihrer Materie weit ins All hinaus. Eine mehrere tausend Lichtjahre Durchmesser große Staubwolke entstand. Eine dieser Anhäufungen interstellarer Materie vor allem aus Wasserstoff und Helium verdichtete sich vor 9 Milliarden Jahren. Nur rund ein Prozent dieser mikrometergroßen, ultrafeinen Staubteilchen gemischt aus den verschiedensten Elementen bestand aus schweren Elementen und bildete Thuban, den Hauptstern dieses werdenden Sonnensystems in einer von mehreren Galaxien eines Sternensystems, das Draco hieß. Flüchtige Mole-külverbindungen wie Gase und Eis aus Wasserstoff, Helium und Methan wurden ins All abgestoßen und formten kleine Asteroidenwolken. Andere aus Eisen und Silikate blieben in der Nähe des gerade entstandenen Sterns und bildeten die inneren Planeten. Ihre größer werdende Schwerkraft zwang sie in dessen Anziehungskraft, und sie begannen, zunächst noch unstabile Bahnen um die neue Sonne zu ziehen.
Nach 10 Millionen Jahren hatten sich durch Kollisionen weitere 150 mondgroße Kleinplaneten gebildet. Ihre gravitativen Wechselwirkungen leiteten sie auf Bahnen, die sie für lange Zeit behielten. Nach 100 Millionen Jahren blieben 5 dieser Planeten übrig.
Die der Sonne am nächsten liegenden waren Turand und Theberia. Dann folgte Draconar. Weiter außen lag Sargon. Zwischen ihm und dem äußersten Planeten Geminus befand sich ein Asteroidengürtel, der beinahe ein Planet geworden wäre: Seine Entstehung wurde wohl durch die Schwerkraft von Geminus verhindert. Er bestand hauptsächlich aus gefrorenem Eis und zahl-losen Gesteinsbrocken. Geminus selbst war der größte der Planeten und vollkommen aus Gas und Eis gebildet.
Draconar war der einzige, auf dem es Leben geben sollte. Zu Beginn seiner Entstehung war er hauptsächlich mit heißem Magma überzogen. Fast alle Metalle schmolzen, sanken in sein Inneres und wurden zum Kern. Nach 1,7 Milliarden Jahren erhärtet sich eine dünne Kruste und erste Kontinente entstanden. Sie bildeten eine obere Schale aus hartem Gestein, die auf dem heißen Magma schwamm. Dieser Rand war nie ganz geschlossen. An einigen Stellen wies er Risse auf, so dass der Druck der heißen Gase, die von unten heraufbrodelten, entweichen konnte. Sogenannte Plumes, unterirdische Kammern, die mit dem Innersten verbunden waren, füllten sich immer wieder mit Lava. Wenn sie aufbrachen, hatten die Eruptionen riesige Ausmaße. Das herausfliegende Gestein breitete sich über die ganze Oberfläche aus und veränderte die dortige Umgebung, wenn nicht den ganzen Planeten. Später, nachdem sich alles weitgehend abgekühlt hatte, sorgten die Staub- und Gaswolken für jahrelange Dunkelheit auf dem ganzen Planeten. Trockenheit und Dürre traten ein. Aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung wurde es immer wieder kälter. Jahrtausende lange Eiszeiten folgten. Es wurde erst wärmer, als sich die Schatten der Staubwolken verzogen.
Langsam schufen die Magmen der inneren Schichten und Drifte der Gebirge Krusten und ließen Platten gegeneinander stoßen, die sich mit der Zeit übereinander wölbten und gegenseitig brachen. Die heißen Gase und die Lava drückten zwar weiterhin mit großer Kraft nach oben, dass sie Löcher und Spalten in den Erdmantel rissen und pyroklastische Ströme hervorriefen. Aber mit der Zeit erlahmten die Kräfte im Inneren Draconars und bildeten viele kleinere Feuer. Deren Vulkantätigkeit breitete sich über den ganzen Planeten aus und setzte Wasser, Kohlendioxid und andere flüssige Elemente frei. Diese Gase bildeten eine frühe noch sauerstofffreie Atmosphäre.
Er war ein kleiner Planet, einer erst in der Zukunft entstehenden Erde in einem weit entfernten Sternensystem sehr ähnlich, so dass er wie sie einmal dazu befähigt sein würde, Leben zu schaffen. Viele Bedingungen waren ausgesprochen günstig: Der Abstand zu Thuban ließ eine ausgewogenere Temperatur zu. Zumal die Umlaufgeschwindigkeit um die Sonne stark genug war, dass Zentrifugalkräfte ihn nicht zu ihr heranzogen. Das hätte ein Ausdörren des Planeten zur Folge gehabt. Oder im Falle einer stärkeren Umdrehung ein endgültiges Abgleiten in Regionen des Alls, die für seine Entwicklung nicht günstig gewesen wären.
Die geordnete Rotation Draconars ermöglichte zudem die Erwärmung aller Kontinente. Die Gleichmäßigkeit dieser Umdrehungen wurde durch drei nahe Kleinstmonde gewährleistet, die sich auf einer festen Umlaufbahn um ihn befanden. Außerdem verhinderten sie, dass der Planet zu stark ins Taumeln geriet. Auch waren sie für Flut und Ebbe verantwortlich, die für den Austausch der Wassermassen sorgten, so dass es nicht zu Fäulnisprozessen in den Meeren kam. Selbst die Rotationsachse des Planeten war etwas geneigt, woraufhin sein Klima pro Umkreisung Thubans fünf Jahreszeiten durchlief.
Ein weiterer Planet kam ihm gleich anfangs zur Hilfe, eine Milliarden Jahre währende Existenz zu führen. Dank seiner 20-fachen gashaltigen Erdmasse zog Geminus fast alle Meteoriten und Asteoriten auf sich, die in das Sonnensystem von Thuban stürzten. Diese verglühten sogleich in seiner heißen Atmosphäre, ohne sichtbare Auswirkungen zu hinterlassen. Dafür blieb die Oberfläche von Draconar stets unversehrt und ermöglichte ihm eine weitgehend ungestörte Entwicklung.
Hätte es anstelle Geminus zwei oder drei gasförmige Riesenplaneten gegeben, die Umlaufbahn von Draconar wäre instabil geworden und hätte ihn irgendwann aus dem System geschleudert. Wäre andererseits wesentlich weniger Gesteinsmaterial, Staub und Gas vorhanden gewesen, so wären alle Planeten zu klein geblieben, um ein Sonnensystem mit Leben auf einem der ihren zu ermöglichen. Ihre Kreisbahnen wären zwar alle stabil und die Planeten hätten auch erdähnlich sein können. Aber es wäre keiner da gewesen, der genug Masse besessen hätte, große Meteoriten auf sich zu ziehen.
Unter diesen günstigen Umständen pendelte sich Draconars Umlaufbahn um Thuban schnell auf eine relativ runde Kreisbahn ein, die auf den einzelnen Breitengraden ein gleichbleibendes Klima ohne wesentliche Schwankungen gewährleistete. So war es dem Planeten vergönnt, alsbald eine solide Atmosphäre aus hauptsächlich Stickstoff, Methan, Schwefel, Natrium und Wasserstoff, aber immer noch ohne Sauerstoff zu bilden, die ihm eine biologische Vielfalt ermöglichten und zudem ungestört Zeit verschafften, alles in Ruhe auszuprobieren, zu verwerfen und zu vervollkommnen. Die kleineren Himmelskörper, die durch die Maschen der Gravitation von Geminus und Thuban schlüpften, verdampften in Draconars Atmosphäre, bevor sie den Boden erreichten. Nur einigen wenigen gelang es, auf seiner Oberfläche aufzutreffen. Und sie brachten reichlich Geschenke: Kohlenstoffe und Eiweißverbindungen, aber vor allem rechts- und linksdrehende Aminosäuren.
Diese wurden in der Regel von Meteoriten transportiert. Da die ultravio-lette Hintergrundstrahlung aufgrund der zirkular polarisierten Strahlung, die durch die restlichen, noch existierenden Zwergpulsare in der Galaxie erzeugt wurde, die rechtsdrehenden Aminosäuren zerstörte, besaßen die linksdrehenden üblicherweise ein Übergewicht. Doch in der Ursuppe Draconars waren aufgrund der starken und langanhaltenden Magmatätigkeit zahlreiche riesige Vulkane und sowohl unter- als auch überseeische Gebirge entstanden. In den winzigen Hohlräumen im Inneren dieser Gesteine waren die organischen Moleküle vor der UV-Strahlung geschützt. Hier blieb die Chiralität, also das Gleichgewicht von links- und rechtsdrehenden Aminosäuren, erhalten.
Bisher wurden die Aminosäuren im Sternensystem Draco immer von Meteoriten eingeführt. Aber es musste Orte im Universum geben, an denen sie entstanden. Während sich auf Draconar außerhalb des Schutzes der Berge das Verhältnis der von Meteoriten eingeführten links- und rechtsdrehenden Aminosäuren nach wie vor zugunsten der linksdrehenden entwickelte, kam es in den tiefsten Höhlen der Gebirgsauffaltungen auf dem Land alsbald zu dramatischen Prozessen. Denn in den Auswürfen der Vulkanberge, im Lava der pyroklastischen Ströme und im herabregnenden heißen Staub- und Gasgemisch blieben viele dieser zunächst chiralen Aminosäuren im Segment eingeschlossen. Während sich die Schlacke abkühlte, vereinten sich die rechtsdrehenden Aminosäuren im Plasma der geladenen Staubpartikel zu mikroskopischen Fäden und bildeten korkenzieherähnliche Helix-Strukturen. Diese waren in der Lage, sich selbst zu reproduzieren und Änderungen in benachbarten Strukturen zu induzieren. So entstand die Umwandlung anorganischer Materie zu organischem Leben. Dabei zerfielen allerdings die linksdrehenden Aminosäuren und wurden vernichtet.
Sulfide wie Eisen-Schwefel-Minerale waren zunächst aus einfachen anorganischen Vorläufer-Molekülen entstanden, die in den vulkanischen Gasen vorkamen. Biomakromoleküle wie Proteine und Nukleinsäuren bildeten dann eine Polymersynthese mit den Metallsulfiden. Im oft kochendheißen Wasser wurde Schwefelwasserstoff ausgestoßen. Erste Eiweißmoleküle wie Ammonium- und Phosphor-Salze schlossen sich zu Ketten zusammen. Dabei diente eisen- und schwefelhaltiger Pyrit als Katalysator.
Dieser Pyrit lag in den anfänglich noch anaeroben Pfützen und Gesteinsbrocken, die in der aufs Land eruptierten Lava eingeschlossen waren, vor. Auf der Oberfläche dieser Eisendisulfide befanden sich Ionen, die die organischen Substanzen banden. Eisenmonosulfid wurde nun mit Schwefelwasserstoff zu Pyrit und elementarem Wasserstoff umgesetzt. Der Wasserstoff stand dann primitiven Bakterien als Energielieferant zur Verfügung.
Diese immer noch heißen Tümpel befanden sich in den tiefsten Einschlüssen der Lava. Sie beherbergten oft kleinere Menge von Wasser. Wasser ist in einem Temperaturbereich flüssig, in dem organische Moleküle stabil sind. Es hat eine hohe Wärmekapazität und geringe Schwankungen in der Temperatur und den osmotischen Werten. Es ist also ein Garant für ein ausgeglichenes Klima. Zudem es die für Makromoleküle schädliche UV-Strahlung absorbiert.
Dadurch konnten sich vor allem aus Wasser, Methan und Ammoniak kleine organische Strukturen wie Carbonsäuren, Alkohole und Aminosäuren bilden. Die Entwicklung von Leben aber startete erst richtig durch, nachdem sich flüssiges Wasser in den hintersten Winkeln der Lava an den inneren Hängen der Calderen auf Dauer erhalten konnte.
Es entstanden kleine Mikrosphären, die sich durch Knospung vermehrten. Das waren winzige, kugelige Protein-Strukturen von etwa 2000-stel Millimeter Durchmesser, welche eine zellartige Membran aufwiesen. Diese waren in der Lage, Stoffe wie den Energieträger ATP, Glucose und andere Substanzen aus der Umgebung aufzunehmen und anderes wieder auszu-scheiden.
Im Einschluss der geronnenen Lavasegmente, alten Gerölllawinen und heißen, schwefligen Dämpfen, gelang es endlich, Lebewesen mit oxygener Fotosynthese zu bilden. Diese Archaebakterien, den Cyanobakterien der künftigen Erde nicht unähnlich, führten zur CO2-Assimilation und bald zur Anreicherung ersten Sauerstoffs in den eingeschlossenen Höhlen. Der war sehr reaktiv und verband sich leicht mit den empfindlichen organischen Biomolekülen. Eine permanente Produktion von Sauerstoff war die Folge. Bald zeigte es sich auch, dass dieser eine hohe Affinität mit den dominierenden, rechtsdrehenden Aminosäuren besaß.
In den dunklen Gängen des hohlen Gesteins und in seinen Tümpeln entstand daraufhin ein wahrer Schub des Lebens. Die Flora explodierte förmlich. Durch Erdbewegungen riss das Lavagestein immer wieder auf. So konnte der Sauerstoff in die Luft entweichen und die Atmosphäre entscheidend umbilden. 500 Millionen Jahre später entstand eine erste Ozonschicht. Sie beschirmte das Leben, dass sich nun – zunächst noch zögerlich – auch auf dem Land ausbreitete.
Aber dort wäre es alsbald von kosmischen Einflüssen zerstört und sein Siegeszug je und erbärmlich kurz vor seiner Entfaltung gebremst worden. Noch fehlte ein entscheidender Faktor, der es vor den Gefahren, die aus dem Weltraum kamen, beschützte. Doch zum Glück blieb das Sonnensystem, in dem sich Draconar befand, auch nicht untätig. Ein weiterer Planet, Sibilus, war mit der Zeit aus dem Strom der interstellaren Materie entstanden. Er bildete sich fast vollkommen aus eisenhaltigem Gestein und zog so immer mehr metallartiges Material an sich. Trümmerringe aus erzenen Gesteinsbrocken sammelten sich, die von ihm angezogen wurden, so dass ihn immer eine riesige Wolke aus leichtem Geröll umgab. Seine Atmosphäre bestand lediglich aus Staub und vergrößerte sich stetig. Am Ende war sie ungefähr doppelt so groß wie die Draconars. Aufgrund ihrer Nähe zueinander kreuzten sich ihre Umlaufbahnen um Thuban immer wieder, so dass sie sich schließlich aufeinander einpendelten, und ihre Bahnen um die Sonne vereinten. Mit der Zeit wurden sie zu Zwillingsplaneten. Am Ende hatte Sibilus eine Masse erreicht, die ihm erlaubte, die Bewegungen beider um ihr Zentralgestirn stabil zu halten.
Wichtig für die Entwicklung Draconars war dabei, dass Sibilus aufgrund seines großen Eisenkerns einen riesigen elektromagnetischen Schirm um sich und Draconar bildete, der beide vor jeglichen Strahlungen schützte. Vor denen der Neutroneneruptionen, die tief aus der Sonne kamen, und vor den Partikeln der kosmischen Hintergrundstrahlung.
So war es nicht verwunderlich, dass die Entwicklung der Oberflächen von Sibilus und auch von Draconar einen ähnlichen Verlauf nahmen. Zunächst gab es nur Lava speiende Vulkane, deren Schlote sich immer wieder öffneten und eine ganze Unterwelt an Gesteinsschlacke nach oben beförderten. Doch auf Sibilus enthielt dieses dickflüssige Magma große Mengen an Eisenerz. Auch entwickelten sich Mineralien und chemische Substanzen, die erst dort unten, in den Tiefen der flüssigen Schichten, entstanden. Und aufgrund deren sich ein Sammelsurium an verschiedensten Metallen gleichmäßig über die Oberfläche verteilen konnte.
Viele der Meteoriten waren vereist. Sie brachten gefrorenes Kohlenmonoxid, aber nur wenig Wasser. So wurde die Atmosphäre stark CO2-haltig, dass den frühen Planeten in ein Treibhaus verwandelte und das wenige restliche Wasser verdampfen ließ. Nur unter der Oberfläche bildeten sich kleine, verstreute Speicherseen aus Grundwasser, die die Fruchtbarkeit des Planeten aber nicht gewähren konnten.
Anders auf Draconar. Hier hab es nur wenig Metall, hauptsächlich aus der Anfangsphase. Dann aber, durch das Auftreten von Sibilus, wurde radikal alles weitere erzhaltige Gestein von ihm abgefangen, und nur Kleinstkörper, die reich an Wasser waren, fanden noch ihren Weg auf den Nachbarplanet. So wurde er schon im frühen Stadium seines Bestehens recht fruchtbar. Zudem bildete sich mit der Zeit in den Tiefen von Draconar, nahe seiner Plumes und Schlote, ein gelbes Metall, das noch vor der Entstehung von Sibilus aus den Tiefen des All gekommen war, und sich im Laufe der ersten Jahrmillionen im Herzen von Draconar anreicherte. Es vereinte sich mit dem bereits vorhandenen kleinen Kern aus wenigen Schwermetallen und zusammen bildeten sie ein schwaches Magnetfeld aus. Dank dessen Anziehung hielt sich die allmählich formende Atmosphäre. Er war der Garant einer gewissen Stabilisierung der ersten Jahrmilliarden. Später, als Sibilus entstanden war und sich dessen Magnetfeld auch schützend über Draconar ausbereitete, sonderte der gelbe Kern kleinere Mengen seines flüssigen Metalls ab, die sich dicht unter der Erdkruste verteilten.
Diese begann zunächst dort, wo sich die flüssige, gelbliche Substanz sammelte, alsbald aber überall zu erstarren. Sogleich bildeten sich kleine Meere auf der zwar schon festen, aber noch sehr heißen Kruste. Die Sonnenwärme heizte das Wasser mit der Zeit stark auf. Es verdunstete, und Wolken bildeten sich. Durch die unterschiedlichen Wärmeverhältnisse und die Drehung Draconars entstanden Unterdrucke, die die Luft umherwirbelten und mit sich rissen. Wolken entstanden und absorbierten zusätzlich radioaktiven Strahlungen aus dem Weltall, hielten aber die eigene Wärme auf der Oberfläche. Es begann regelmäßig zu regnen, so dass die Vegetation auf dem Land fruchtbarer wurde. Woanders verdunstete viel Feuchtigkeit aus den Ozeanen und füllte die Wolken wieder auf. Dieser Wasserkreislauf breitete alsbald über den ganzen Erdball aus.
Auf Sibilus geschah nichts Desgleichen. Lediglich das Überangebot verschiedener Metalle, hauptsächlich Eisen, dessen Staub seine weiterhin sauerstofffreie Atmosphäre rot färbte, hielt den riesigen Magnetgürtel stabil. Zudem hatte die Natur im Gegensatz zum Wasserplaneten Draconar kein Leben hervorgebracht, weder aus recht- noch aus linksdrehenden Aminosäuren.
Das wenige Nass auf Sibilus blieb dicht unter der Oberfläche. Hier war es vor Verdunstung sicher, so dass es auch nicht zu Wolkenbildung kam. Während auf Draconar die ersten niedrigen Pflanzen entstanden, blieb Sibilus Boden kahl und nur von Geröll bedeckt.
500 Millionen Jahre nach der Entstehung Sibilus hatte das Leben auf Draconar bereits begonnen, sich stabil zu entwickeln. Es gab zunächst noch keine voll ausgebildeten Organismen, nur Einzelliges. Doch der elektromagnetische Schild von Sibilus förderte die ersten Versuche Draconars, Mehrzelliges zu entwickeln, und ließ es erblühen. Er erlaubte den neuen Bausteinen des Lebens, zu bleiben, sich zu vermehren und weiterzuentwickeln. Er schützte sie vor dem ionischen Sonnenwind und den harten, ultravioletten Partikeln der Hintergrundstrahlung, die von allen Seiten kamen. Die geringe Strahlung, die dennoch hindurch kam, erschien dann als farbig flackerndes Polarlicht, wenn sie auf Draconars eigenes dünnes, schwaches Magnetfeld traf. Dafür wurde eine förderliche Mutationsrate aufrechterhalten, die die Erbinformationen aber nicht allzu stark beschädigte, so dass sie eher für eine Varianz als für eine Zerstörung sorgten.
So bildeten sich mit der Zeit außerhalb der oberen Lavasegmente völlig neue Arten. Aus ersten Mikroben wurden wurzelnde Gräser, dann mehrblättrige Farne. Sie begannen, die Habitate in der Nähe der Lavaschlacken zu besetzen. Pflanzen mit wunderlichen Ranken krochen über den Boden. Aus Bakterien, die durch die schwefligen Spalten mit dem Wasser nach draußen gespült wurden, bildeten sich Amöben und mehrzellige Flimmertierchen mit kleinen Schwimmschwänzen. Noch ohne Kopf und festen Extremitäten. Diese Kleinsttiere lernten, zunächst durch Schlängelbewegungen ihrer Leiber die Tümpel der äußeren Lavaberge zu entdecken. Einige bildeten dann einen Kopf mit Augen, Ohren, Nase und Mund heraus. Der stetig steigende Sauerstoffanteil ließ sie sich immer zahlreicher vermehren. Die Pflanzen und Tiere wurden größer. Aus Farnen wurden Bäume. Und die ersten Kriechmolche lernten, diese zu erklettern. Sie vermehrten sich noch durch Teilung, lebten auf den Blättern der Ranken und in deren Halme und ernährten sich von deren Säften. Einige der ersten Koniferen bildeten Früchte aus, die den Kletterern zusätzlich als Fressen dienten. Das Nahrungsangebot wurde größer und die dortigen Tiere begannen, Schlafstätten zu bauen und im Geäst zu leben. Andere aber blieben auf der Erde, wo sie sich schlängelnd weiter bewegten. Doch auch sie wurden größer und stärker und entwickelten kräftige Seitenbeine, Schwänze und ein festes Skelett. Sie liefen die Strömungsrinnen der Magmaflüsse hinab in die Täler, in denen die Lava, als sie noch hervorgetreten war, weite Flächen ausgefüllt hatte. Von dort gelangten diese Läufer endlich zum Ozean.
Aber es begegnete ihnen kein Leben aus umgekehrter Richtung. Eine Milliarde Jahren lang hatten die rechtsdrehenden Aminosäuren die Bildung des pflanzlichen und tierischen Lebens im Einschluss der Höhlen gefördert. Dann war es auf das Land hinausgetreten, auf dem sich allmählich die Atmosphäre mit Sauerstoff anreicherte, und hatte die Landschaft unter einem blau werdenden Himmel erobert. Noch bevor sich im Meer die ersten Zellen teilen konnten. Dieses ergab sich erst 500 Millionen Jahre später. Als sich auch hier allmählich Sauerstoff anzureichern begann.
In den Ozeanen hatten die zweiwertigen Eisenionen zunächst für eine Oxidation und Bindung der neuen Sauerstoffmoleküle gesorgt, so dass das Wasser fast noch anaerob blieb. Auch war hier die Menge relevanter Biomoleküle relativ bescheiden. Ihr Anteil organischer Verbindungen ergab höchstens 10%, und ihre Konzentration erhöhte sich infolge der hohen UV-Strahlung nicht. Komplexe Biostrukturen können nicht durch zufällige chemische Umsetzungen im freien Wasser entstehen. Große Mengen von H2O verhindern zudem die Entstehung langer Aminosäure- und Nucleotidketten. Bereits kleine Ketten spalten wieder auf. Auch wässrige Zucker- und Aminosäurelösungen weisen eine geringe Stabilität auf. Sie zerfallen nach kurzer Zeit.
Nachdem auf dem Land bereits das erste tierische Leben gewachsen war, entstand in den Ozeanen zunächst Collagen, das zwar auch auf Sauerstoff basierte, aber in Maßen, da dessen Aggressivität alle zarten Versuche von Zellenzusammenschlüßen verhinderte. Doch es war der erste Organismus des Meeres, der allmählich einen Körper mit Haut und Muskeln hervorbringen konnte. Die daraus entstehenden Mikroben waren meistens Algen, die mittels Fotosynthese Sonnenlicht in Energie, also Sauerstoff, umwandelten. So reicherte sich auch in den Ozeanen immer mehr O2 an, so dass sie nach vielen Millionen Jahren zu einem wichtigen Speicher solarer Energie wurden.
Vor 4 Milliarden Jahren hatte der Sauerstoff die Luft zu 35% gesättigt. Immer größere Pflanzen siedelten sich in den fruchtbar gewordenen Tälern und Oasen an. Einige der Tiere in den Bäumen begannen innerhalb der nächsten 100.000 Jahre, Eier zu legen. Auf dem Boden entwickelten die meisten aber eine Plazenta und säugten ihre Nachkommen. Alle atmeten Sauerstoff, der Garant ihres frühen Siegeszuges. Manche in Form eines Luftsackes, aber die meisten hatten bereits Lungen ausgebildet.
Im Laufe der nächsten drei Milliarden Jahre eroberten erste Wälder aus riesigem Kelb das Land. Gefolgt von Gräsern und Blumen, die sich allesamt über den Wind bestäubten. Farne von riesigem Ausmaß umsäumten die Küsten. Und erste Insekten zogen von Blüten zu Blüte.
Irgendwann begann eine Gruppe der Baumtiere, die Bäume nicht mehr hinabzusteigen, um sie zu wechseln. Sie entwickelten Federn und Häute zwischen den Fingern und Zehen und glitten zunächst auf einen niedrigeren Nachbarstamm abwärts. Dann mutierten die Vorderextremitäten zu ersten Flügeln, mit denen sie sich in die Luft zu erheben begannen. Einige wurden größer, andere lernten, Waffen und Gifte zu produzieren, um sich zu verteidigen. Oder ihre Beute zu töten. Manche der Unterlegenden zogen es bei Gefahr vor, sich schutzsuchend ins nahe Wasser von Flüssen, die Richtung Meer strömten, zurückzuziehen. Dort begegneten sie den ersten Fischen, die sich endlich aus Algen und einer mehrzelligen Mikrobe gebildet hatten. Und von denen einige soweit waren, endlich festes Land zu betreten. Mit acht Beinen anstelle ihrer Flossen. Und einem Luftfilter für die Kiemen.
Die Körper der meisten Landtiere entwickelnden sich schnell weiter und waren mit Blutbahnen durchzogen, die den nährstoffreichen Sauerstoff transportierten. Es bildeten sich Organe wie Herz und Lungen. Und sogar ein Hirn, alles zu steuern und noch vieles mehr: diese Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten und zu optimieren.
Aber allen Lebewesen fehlte ein letzter, wichtiger Evolutionsschritt: Sie waren nie so vollkommen, dass sie nicht wieder untergingen. Weder Tier noch Pflanze war es bisher gelungen, Draconar auf immer als seine Heimat zu betrachten. Sie starben so schnell aus, wie sie entstanden waren. Sei es durch eine lokale Katastrophe, eine Springflut oder einen Vulkanausbruch. Durch einen Meteoriten oder Zusammenstöße von Erdplatten, die Beben und Tsunamis hervorriefen. Gerade kurz nach der Entstehung des Planeten geschah es auch immer wieder, dass sich das gesamte Klima veränderte. Aus fruchtbarem Land wurden Wüsten. Aus feuchtwarmen Meeren entstanden vereiste Pole. Krater erhoben sich aus Abgründen, Gerölllawinen donnerten zu Tal und Lavamassen, die jegliche Vegetation für lange Zeit zerstörten, schwemmten über das Land. Auch spaltete sich die Erde, Risse taten sich auf, Kontinente trennten sich und trieben auf brüchigen Platten auseinander. Niemals fand Draconar wirklich Ruhe im Anbeginn seiner Entwicklung. Nur wenige Lebensformen konnten sich in sicheren Nischen halten. Für die meisten waren die Habitate, mit denen sie konfrontiert waren, zu wechselhaft. Es war entweder zu heiß oder zu kalt. Zu dunkel oder zu hell. Der eine liebte zu grasen, der andere Fleisch zu fressen. Und wenn sich die Vegetation änderte, starben auch die Karnivoren an Ermangelung einer Beute. Die meisten wurden als Art bald wieder ausgelöscht. Keiner überlebte zwei aufeinander folgende extrem unterschiedliche Klimata. Die damaligen Tiere waren alle zu spezialisiert, als dass sie auch nur die kleinste Veränderung ihrer Lebensbereiche überstanden hätten.
Erst später, nach vielen Milliarden Jahren, als sich die Oberfläche Draconars irgendwann zu beruhigen begann und sich eine langsamere Entwicklung der Fauna und Flora annahm, erhielten diese die nötige Zeit, auch Leben von längerem Wert hervorzubringen.
Diese Organismen waren noch weit entfernt von Formen höheren, intelligenten Lebens. Aber sie waren vielleicht ihre Vorbereiter, ihre Wegweiser. Und hatten großen Anteil daran, die Evolution auf dem Land in die richtigen Bahnen zu lenken. Und selbst, als sich erste Formen intelligenten Verhaltens zeigten – sei es durch eine Rudelbildung, in der soziales Verhalten dominier-te, sei es durch einen kleinen Körperwuchs, der sie allen Feinden körperlich unterlegen machte und zu besonderen Formen sozialer Intelligenz zwang. Keinem von ihnen gelang es, sich Draconar untertan zu machen. Denn noch waren nicht einmal die Vorboten der Drachen entwickelt worden. Die später Draconar beherrschten und die führende Spezies dieser Galaxie wurde.
Dafür benötigte die Evolution weitere zweieinhalb Milliarden von Jahren. In dieser Zeit entstanden die Vögel. Einige von ihnen lernten sogar, Milch zu produzierten und eine Plazenta auszubilden. Sie waren keine Sackgassen der Evolution, sondern ein wichtiger Zweig hin zu dem, was noch kommen sollte. Doch um eine höhere Stufe der Evolution zu erreichen, bedurfte es einer weiteren Qualität. Es war eine Zusammenführung von Umgebungsfaktoren, die hart und gleichzeitig variable machte. Eine spezielle Ernährung, die den Körper aufbaute und an so viele Widerungen anpasste wie möglich, einem großen Gehirn, dass nicht nur extrem lernfähig, sondern auch zu besonders abstrakter Kombinationsfähigkeit in der Lage war und keine Erfahrung vergaß, die tödlich werden konnte, sie vor allem an seine Nachfahren weiterzugeben wusste. Aber vor allem sozialen Fähigkeiten, die es mit vereinten Kräften zum Schutz der eigenen Spezies zusammenschloss, bildeten die Basis für den kommenden qualitativen Sprung. Dafür gab es bis jetzt noch kein Habitat. Intelligenz und Sprache waren immer wieder mal entstanden, aber nur rudimentär. Grundlegende Errungenschaften wie eine optimierte Fortbewegung, eine umfassende Verteidigung, vorausschauendes Denken und Planen, gemeinsame Strategien und ein gruppendynamisches Handeln, waren noch nicht entstanden. Eine Art Gemeinschaftssinn, der sich dem Wohle aller Lebewesen unterwarf, in den Kreislauf der Natur und in die physikalischen Gesetze des Kosmos einordente und sie gleichermaßen verstand, gab es noch nicht.
Dazu bedurfte es zu einen eines noch größeren Gehirns. Die Feuerzubereitung von Fleisch war mit der Zeit bereits einigen höheren Säugern gelungen. Ihre Verdauung, die bisher einen Großteil der Hirnaktivität band, konnte dadurch entlastet werden. Es wurde mehr Kapazität für kreative Handwerksarbeiten frei.
Vor allem aber die körperliche Anpassungsfähigkeit wurde entscheidend für die Entwicklung zu einer übergeordneten Spezies. Dazu gehörten auch Evolutionssprünge wie die beständige Krümmung des Keilbeins, die für dreidimensionales Sehen, den aufrechten Gang, die Sprache, die Vergrößerung des neuronalen Netzes und die Kommunikation mit bioelektrischen Sinnen verantwortlich war. Dies und die Aneignung von Fähigkeiten, sich extremen Temperaturen anzupassen, verschiedene Möglichkeiten der Sauerstoffaufnahme und der organischen Feuerproduktion hervorzubringen, brachten schließlich Wesen hervor, die sich schließlich den bislang stets vernichtenden Katastrophen Draconars zu stellen wagten. Dazu bedurfte es jedoch eines längeren evolutionären Prozesses, der ihre Existenz auf Draconar für immer zu sichern vermochte. Damit es ihnen auch längerfristig vergönnt war, die Bedingungen des Lebens zu begreifen und für sich umzusetzen. Diese Spezies sollte durch keine weitere Form der Entwicklung abgelöst werden, denn sie bildete ihre endgültige Spitze.
Der Weg zu einem höheren Wesen war lang und beschwerlich, wenn er sich auch schon bei wenigen anderen Spezies im Ansatz gezeigt hatte. Zuvor waren viele Sackgassen beschritten worden. Und Jahrmillionen vergangen, bis die wahren Könige Draconars eines fernen Tages auf sich aufmerksam machen sollten.
Diesem Ziel, die Größten und Mächtigsten zu werden, stand nicht nur die Spezies auf Draconar gegenüber. Es fanden sich Konkurrenten im ganzen Universum, weit verstreut über die Galaxien. Und zu den verschiedensten Epochen. Wer – und ob überhaupt einer – jemals die Spitze der Evolution erreichen würde, dass konnten nicht einmal die Sterne beantworten. Ganz zu schweigen davon, wie viele Universen es geben musste, um eine solche Aufgabe zu erfüllen.